Persönl. Stellungnahme zur Pressemitteilung "Bundesweites Treffen" von Isa Kreft und Winfried Helbig
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren!
Die
Pressemitteilung von Isa Kreft und Winfried Helbig treibt deren
Selbstherrlichkeit und Anmaßung gegenüber der Leipziger Konferenz auf
die Spitze.
Es wird glatt behauptet, die Beschlüsse der Konferenz
vom 28.08.04 in Leipzig seien nichtig, die demokratisch gewählte
Koordinierungsgruppe nicht autorisiert, im Namen der Konferenz zu
sprechen, das Mikrofon zur Durchführung der Abstimmungen sei "mit Körpereinsatz" usurpiert und überhaupt sei die ganze Konferenz von der MLPD manipuliert worden.
Da
ich selbst diejenige bin, die die Schlussdiskussion leitete,
widerspreche ich diesen Lügen und Verleumdungen entschieden. Ich
fordere Isa Kreft und Winfried Helbig auf, ihre Behauptungen – zum
Beispiel es sei einer Eroberung des Mikrofons mit Körpereinsatz erfolgt
und Abstimmungen seien inszeniert gewesen - zurückzunehmen und sich bei
mir zu entschuldigen.
Sollten sie das bis 08.09.04 nicht tun, werde ich sie wegen Verleumdung anzeigen.
Im Folgenden möchte ich den Sachverhalt in der Schlussphase der Konferenz genau darlegen sowie auf einige Argumente in der derzeit entbrannten Diskussion eingehen. Ich möchte von vorneherein darauf hinweisen, dass gerade diese Schlussphase von mehreren Fernsehkameras verfolgt und auch von verschiedenen Sendern gesendet wurde. Außerdem wurde der ganze Vorgang von verschiedenen Fotografen festgehalten. Ich empfehle unter anderem die Ansicht des Bildreports der Leipziger Konferenz bei www.rf-news.de sowie die Dokumentation der Tagesschau am 28.8.04 um 20 Uhr, dokumentiert unter www.tagesschau.de.
Fakt
ist, dass diese Konferenz nicht nur eine lebhafte politische Diskussion
und Erfahrungsaustausch über die Montagsdemonstrationen verwirklichte
und zu konkreten Beschlüssen für einen Sternmarsch nach Berlin kam,
sondern - auch wenn dies von den "Gastgebern" anders geplant war - ein
Maximum an demokratischen Strukturen und Entscheidungsprozessen
praktizierte.
Hier fand erstmals eine bundesweite Konferenz statt,
deren Teilnehmer in der Mehrzahl ausdrücklich von
Montagsdemonstrationen vor Ort delegiert wurden. Ein kleinerer Teil
waren Beobachter aus Bündnissen für Montagsdemonstrationen. Einzelne
waren nicht von der Basis legitimierte Organisationsvertreter (meist
unter dem Firmenschild von ATTAC), deren Hauptziel war, jegliche
Ergebnisse und Beschlüsse der Konferenz zu verhindern.
Die
organisierten demokratischen Strukturen sind eines der wichtigsten
Produkte der neuen Bewegung der Montagsdemonstrationen und Garanten
dafür, dass ihre Selbständigkeit und unabhängige Willensbildung gewahrt
bleibt. Gegen diese demokratischen Strukturen richtete sich von
vorneherein das Vorgehen der "Gastgeber", die der Konferenz jede
eigenständige Meinungsäußerung jenseits unverbindlicher Diskussionen
untersagen wollte.
Nachdem im Verlauf der spannenden, kontroversen
und ergebnisreichen politischen Diskussion immer mehr Redner auf
Entscheidungen drängten, verweigerten die "Gastgeber" jegliche
Abstimmung, ja sogar jeden Vorschlag, über das Verfahren zu
diskutieren. Isa Kreft und Winfried Helbig versuchten rigoros, der
Konferenz zu verbieten, Beschlüsse zu fassen. Es wurde von
ihnen trotz des vielfach geäußerten Wunsches in der Diskussion schlicht
und einfach abgelehnt, dass aus dem Kreis der Teilnehmer Anträge
gestellt und zur Abstimmung gebracht werden. Sie missbrauchten damit grob ihre Rolle als Gastgeber und die "Macht" über das Mikrofon.
Doch
dafür waren die 186 in die Liste eingetragenen Teilnehmer aus 66
Städten nicht Hunderte von Kilometern nach Leipzig gefahren. Sie hatten
ein klares Mandat aus ihren Orten, einen eigenen Kopf und klare
Vorstellungen erarbeitet.
So entstand eine immer stärkere Forderung nach Abstimmung. Isa Kreft - von ihren beiden männlichen Mitstreitern Winfried Helbig und Frank Kimmerle zeitweise durch Abwesenheit böse im Stich gelassen - wiederholte nur noch stereotyp, dass es keine Abstimmung gebe. Ich meldete mich mit einem Geschäftsordnungsantrag, um einen Vorschlag zum Verfahren zu machen. Isa Kreft: "Es gibt hier keine Geschäftsordnung, und deshalb auch keinen Geschäftsordnungsantrag". Ich durfte - ebenso wie zahlreiche andere, die sich meldeten - nicht einmal darlegen, geschweige denn begründen, was mein Vorschlag war.
Daraufhin steigerte sich die Empörung im Saal immer weiter, die Forderung nach Abgabe des Mikrofons wurde immer lauter. Rechts und links der Bühne hatten sich - wie zuvor auch - wieder lange Schlangen von Personen gebildet, die sprechen wollten. Nach einigen weiteren Rednern, die Abstimmung forderten, wurde keiner mehr drangenommen. Isa Kreft: ”Hier wird nicht abgestimmt!” Daraufhin bildete sich rund um Isa Kreft eine über das weitere Vorgehen intensiv diskutierende Gruppe. Ein Kollege aus Berlin rief: "Dann lasst uns eben rausgehen und draußen abstimmen!" Daraufhin standen 30 bis 50 Leute auf und verließen den Saal. Schließlich sagte Isa Kreft: "Ich werde keine Abstimmung durchführen, dann muss das jemand anderes fortsetzen."
Sie gab daraufhin von sich aus das Mikrofon ab, ohne dass sie dazu in irgendeiner Form genötigt wurde. Es kam dabei zu keinerlei Gerangel oder gar ”Körpereinsatz”, geschweige denn, dass ihr das Mikrofon abgenommen wurde. Jede andere Behauptung ist eine glatte Lüge.
Das
Mikrofon hatte dann Frau Gudrun Kimmerle vom Sozialforum Leipzig. Sie
wollte zunächst die Diskussion weiterführen, wurde aber von Frank
Kimmerle vom Sozialforum Leipzig inständig gebeten, dies nicht zu tun.
Ich fragte beide ganz ruhig, ob ich die Diskussion übernehmen soll.
Nach einer kurzen Beratung zwischen beiden und Umstehenden gab man mir das Mikrofon.
Übrigens ging das Ganze vor laufenden Fernsehkameras vonstatten!
Ich sagte dann durch das Mikrofon: "Liebe Leute, das Dümmste, was wir jetzt machen könnten wäre, das Ganze hier im Chaos enden zu lassen. Holt doch bitte die anderen wieder rein, damit wir die Veranstaltung in Ruhe zu Ende bringen. Bitte beruhigt euch doch, damit wir zu einem guten Ende hier kommen.” Innerhalb kurzer Zeit wurde es tatsächlich ruhig.
Inzwischen wurde von Karl-Heinz Strohmaier aus Gelsenkirchen und Ralf Stahlberg aus Torgau geklärt, dass der Raum uns – entgegen der vorherigen Aussage von Isa Kreft - noch mindestens 15 Minuten zur Verfügung stehen würde.
Ein Großteil der Menschen, die vorher den Saal verlassen hatte, kehrte zurück. Der Saal war nicht ganz, aber fast so voll wie zuvor. Mit wenigen Ausnahmen kehrte nun auch Ruhe ein. Die Ausnahmen bestanden darin, dass vor allem Richard Schmid aus Könnern vom ATTAC-Rat hinter mir ein furchtbares Geschrei anfing - zunächst, dass ein ”Putsch der MLPD” stattgefunden hätte. Er schrie und kreischte geradezu hysterisch in die auf ihn gerichteten Kameras. Um mir den Rücken frei zu halten, stellten sich mehrere Mitglieder der Gelsenkirchener Delegation (Zusammensetzung s.u.) ebenso wie nach und nach zirka zehn weitere Teilnehmer der Konferenz aus verschiedenen Orten hinter und neben mich. Daraufhin schrie Richard Schmid hysterisch: ”Nicht schlagen! Keine Gewalt!” Das war eine Inszenierung vor laufenden Kameras und entbehrte jeglicher Grundlage. Sobald die Kameras sich abwandten, verstummte er schlagartig, ordnete seine Haare und ging völlig ruhig aus dem Raum, um dann draußen seelenruhig weitere Interviews zu geben.
Auch in der Nähe des Eingangs standen einige, die ständig dazwischen schrieen. Zum Beispiel riefen sie im Sprechchor "Parteitag, Parteitag!" Hiermit sollte der Eindruck erweckt werden, dass nun eine Parteiveranstaltung der MLPD losgehe.
Ich
bat alle Anwesenden, die jetzt folgende Auseinandersetzung möglichst
ruhig und zielstrebig durchzuführen. Das wurde auch sehr gut
aufgegriffen und es kehrte weitgehend Ruhe und eine konzentrierte
Atmosphäre ein.
Da die Zeit knapp war, fragte ich die Anwesenden
zunächst, ob ich ihr Anliegen richtig verstanden habe, dass jetzt
Entscheidungen über zuvor erarbeitete Diskussionsergebnisse sowie
geäußerte Anträge gefasst werden sollen. Darüber stimmten wir ab - die
Abstimmung verlief wie sämtliche darauf folgenden etwa mit einem
Verhältnis von 140 bis 160 Ja-Stimmen zu 13, teilweise 7 Nein-Stimmen.
Die Enthaltungen lagen jeweils zwischen 0 und 4.
Zu den Zahlen
muss man wissen, dass sich in die Anwesenheitsliste 186 Personen
eingetragen haben. Die später hinzukommenden Mitglieder des Leipziger
Sozialforums und andere einzelne Gäste, die kein Mandat hatten
(Organisationsvertreter siehe oben) haben sich großteils in die
Teilnehmerliste nicht eingetragen. Insgesamt waren also etwas über 200
Personen bei der Konferenz. Inzwischen wird behauptet, die Abstimmungen
hätten im fast leeren Saal stattgefunden. Zur Überprüfung dieser völlig
unsinnigen Behauptung empfehle ich nochmal außer dem o.g. Bildreport
bei www.rf-news.de die Dokumentation der Tagesschau am 28.8.04 um 20 Uhr, dokumentiert unter www.tagesschau.de
Die Konferenz betonte, dass sie keinen allgemeinen Vertretungsanspruch für die Montagsdemonstrationen erhebt, sondern für sich selbst spricht und weiterhin intensiv die Einheit und Gemeinsamkeit der ganzen Bewegung sucht – auf der Grundlage von ”Weg mit Hartz IV!” und demokratischer Strukturen.
Nacheinander wurden dann folgende Beschlüsse gefasst:
1.
eine kurze Resolution, die ich in der Mittags- und Kaffeepause aus der
Diskussion heraus formuliert hatte. Ich hatte sie bereits in der
Diskussion vorgestellt und dafür sehr viel Beifall erhalten - in Kritik
an den verwaschenen Allgemeinplätzen, die Winfried Helbig als Resultat
der Konferenz vorgeschlagen hatte, aber nicht abstimmen wollte. Ich
verlas vor der Diskussion und Abstimmung langsam noch einmal den
Vorschlag für die Resolution, das Mikrofon hielt mir dabei Ralf
Stahlberg aus Torgau. Zu diesem Resolutionsentwurf kamen noch kleinere
Änderungsanträge, die aufgenommen wurden.
2. Es wurde eine
Koordinierungsgruppe mit einem präzise formulierten Auftrag gewählt:
Sie bezieht sich auf die Vorbereitung einer bundesweiten Demonstration
(Sternmarsch) am 3. Oktober nach Berlin und die Vorbereitung einer
zweiten, bundesweiten und demokratischen Konferenz zum weiteren
Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den Montagsdemonstrationen.
Ich fragte, wer an dieser Koordinierungsgruppe teilnehmen möchte,
woraufhin sich eine ganze Reihe Personen meldeten, die sich kurz
vorstellten. Dieser Gruppe wurde dann ausnahmslos und gemeinsam in der
Abstimmung das Vertrauen ausgesprochen.
3. Es wurde die Einrichtung einer Homepage beschlossen.
Bei jeder Abstimmung wurden die Gegenstimmen und ab der zweiten Abstimmung die Enthaltungen exakt ausgezählt. Ein junger Mann schlug vor nachzufragen, wer von den Abstimmenden Delegierter einer Montagsdemonstration sei. Auch das wurden ermittelt und gemeinsam festgestellt, dass es sich dabei um die deutliche Mehrheit der Abstimmenden handelte.
Ich fragte, ob noch weitere Anträge bestehen. Dies war nicht der Fall. Lutz Metzger aus Leipzig ergriff abschließend das Wort und lud alle zu der genannten zweiten bundesweiten Konferenz wieder nach Leipzig ein.
Danach bedankte ich mich bei allen für die disziplinierte und insgesamt solidarische Abschlussrunde und schloss die Versammlung, da die uns gewährte zusätzliche Zeit inzwischen beendet war.
Direkt im Anschluss kam eine ganze Reihe von Teilnehmern, die ich großteils nicht kannte und bedankte sich bzw. erklärte sich äußerst erleichtert und froh darüber, dass die ganze Versammlung noch so produktiv beendet wurde.
Da ich die Resolution entsprechend ihrem Entstehen nur handschriftlich und mit vielen Verbesserungen und Korrekturen aus der Diskussion in meinem Heft stehen hatte, tippte ich sie noch ab. Ich führte noch zwei Gespräche mit Journalisten bzw. Fernsehteams – zum Beispiel mit dem MDR, der mich fragte, ob ich ”die neue Leitfigur der Montagsdemonstrationen” sei. Ich antwortete, dass die Montagsdemonstrationen keine Leitfigur brauchen, sondern den Ausbau ihrer Selbständigkeit und demokratischer Strukturen - und dass ich im Dienste dieser Selbständigkeit den Entscheidungsprozeß moderiert hätte.
Anschließend fuhr ich mit meiner Delegation nach Hause. Wir waren alle sehr erschöpft, aber auch erfüllt von der Diskussion und glücklich über das produktive Ende des Tages.
Nun zu verschiedenen Fragen und Argumenten, die in der Diskussion seitdem aufgekommen sind.
1. Haben die Gastgeber nicht das Recht, darüber zu entscheiden, ob Abstimmungen durchgeführt werden oder nicht?
Ich
meine: nein! Die Konferenz bedankte sich beim Sozialforum Leipzig und
den drei Einladern Isa Kreft, Winfried Helbig und Frank Kimmerle
ausdrücklich, dass sie die Initiative für diese Konferenz ergriffen
haben. Die Konferenz betonte jedoch auch, dass die "Gastgeber" daraus
nicht das Recht ableiten können, der Konferenz ihre Willensbildung zu
diktieren. Die einzige demokratische Möglichkeit in einer solchen
Situation ist, die Versammlung zu befragen und abstimmen zu lassen über
die Vorgehensweise. Genau das habe ich gemacht.
2. Warum hast du dich nicht als Mitglied der MLPD vorgestellt?
Es
gab für mich keinerlei Anlass, mich als MLPD-Mitglied vorzustellen. Ich
war als Mitglied der Delegation aus Gelsenkirchen nach Leipzig
geschickt worden. Zu dieser Delegation gehören Mitglieder von AUF
Gelsenkirchen, MLPD, Wahlalternative, ein ehemaliges langjähriges
SPD-Mitglied, ein Mitglied der parteilosen Wählergruppe Gelsenkirchen
und ein parteiloser Arbeitsloser. Unser einziges Mandat war, die
Gelsenkirchener Montagsdemonstration hier zu vertreten und für eine
bundesweite Demonstration am 3. Oktober in Berlin zu sprechen. Dies war
von 1200 Menschen am 23. August so beschlossen worden. Ich hatte
keinerlei Auftrag und auch nicht das Recht, hier mit meinem Auftreten
Werbung für die MLPD zu machen. Dass ich keinerlei Probleme habe, zu
meiner Parteimitgliedschaft zu stehen, weiß jeder, der mich kennt, der
ins Internet schaut oder sich intensiver mit mir in Leipzig unterhalten
hat.
Vom Verdi-Vorsitzenden Bsirske verlangt ja auch niemand, dass
er immer betont, dass er Mitglied bei ”Bündnis 90/Die Grünen” ist, wenn
er als Gewerkschaftsvertreter auftritt; gleiches gilt für das
SPD-Mitglied Peters als Vorsitzender der IG Metall usw. Warum wird hier
ständig, penetrant und mit durchsichtigen Motiven mit zweierlei Maß
gemessen?
3. Wurden auf der Leipziger Konferenz Parteiunabhängige von der MLPD unterdrückt?
Das
ist kompletter Quatsch. Diejenigen, die lautstark als angebliche
Bewahrer demokratischer Verhältnisse aktiv wurden, hatten sich zuvor
meist als ATTAC-Mitglieder vorgestellt - keiner stellte sich als
Delegierter einer Montagsdemonstration oder als Parteimitglied vor. Sie
erweckten den Eindruck, als Unabhängige gegen eine angebliche
Parteidominanz aufzutreten. Inzwischen weiß ich, dass zum Beispiel eine
dieser "unabhängigen" ATTAC - Mitglieder Lena Bröckl ist, eine
Funktionärin der SPD Berlin. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des
”Fachausschuss 1 – internationale Politik”. Isa Kreft und Wilfried
Helbig selbst werden im Internet in mehreren Dokumenten der PDS Leipzig
unter der Rubrik "PDS Mitglieder und Sympathisanten" geführt und als
Mitglieder der Grundsatzkommission der PDS Sachsen vorgestellt. (www.pds-leipzig.de)
Diejenigen,
die jetzt am lautesten über eine angebliche Parteidominanz der MLPD
zetern, sind also diejenigen, die selbst als ATTAC auftraten, aber
zugleich (zum Teil führend) in Parteien wie PDS oder gar SPD sind! Es
sind diejenigen, die wie Winfried Helbig Regierungsmitglieder und
führende Repräsentanten von Hartz IV auf der Montagsdemonstration
sprechen lassen wollen und für die ”ein gemeinsamer Auftritt von A. Merkel, W. Clement, R. Bütikofer und G. Westerwelle denkbar” wäre
(Pressemitteilung Winfried Helbig vom 22.8.2004) Es sind diejenigen,
die vor Ort – wie in Herne - Spalterdemonstrationen inszenieren, deren
Motto nicht mehr ”Weg mit Hartz IV!”, sondern ”Sozialstaat retten!” ist
und in deren Trägerkreis die SPD mitarbeitet! Es sind diejenigen, die
mit glatten Lügen, übelster Verleumdung und dumpfem Antikommunismus
gegen die MLPD sogar noch den Verfassungsschutz überbieten! Es sind
diejenigen, die jeden, der sich ihrer Auffassung widersetzt, als MLPD
denunzieren und mundtot machen wollen!
4. War die Versammlung ”MLPD-dominiert” und undemokratisch?
Das
Besondere an der Konferenz war das Selbstverständnis, dass sich
Delegierte von Montagsdemonstrationen treffen. Die MLPD war auf der
Versammlung überhaupt nicht mit einem Parteivertreter anwesend.
Zweifellos waren in diesen Delegationen ebenso Parteilose wie
Mitglieder verschiedener Parteien, auch der MLPD. Wenn verschiedentlich
MLPD-Mitglieder in diese Delegationen gewählt wurden, dann spricht das
für das Vertrauen in diese Vertreter der Montagsdemos, nicht gegen sie.
Perspektivisch halte ich den Aufbau eines solchen demokratischen
Delegiertensystems aus den Basisbewegungen für eine äußerst wichtige
und zukunftsträchtige Methode.
Diejenigen, die jetzt am lautesten
wegen angeblich undemokratischen Vorgehens von mir zetern, sind
diejenigen, die in Leipzig nicht von Montagsdemonstrationen legitimiert
waren! Es sind diejenigen, die jede Abstimmung der Versammlung mit
allen Mitteln verhindern wollten! Es sind diejenigen, die zunächst mit
Sprechchören und inszeniertem Geschrei Diskussion und Abstimmungen
unmöglich machen wollten! Es sind diejenigen, die häufig ein offenes
Mikrofon und erst recht Abstimmungen bei Montagsdemonstrationen
kategorisch ablehnen!
5. Warum wollten die "Gastgeber" keine Abstimmung?
Die
verschiedenen Verhaltensweisen ergeben nur folgendermaßen einen Sinn:
Die Versammlungsleitung durch Winfried Helbig und Isa Kreft zielte
darauf ab, die Versammlung unverbindlich diskutieren zu lassen, ein
allgemeines Votum abzugeben (Winfried Helbig fasste z.B. zusammen: ”Die Montagsdemonstration müssen noch stärker werden und im Verlauf des Herbstes soll eine große Demonstration stattfinden.”).
Bei
der gleichzeitig in Berlin stattfindenden, von keiner
Montagsdemonstration legitimierten Konferenz war beabsichtigt, konkrete
Beschlüsse zu fassen, denen sich dann die Teilnehmer der Leipziger
Konferenz wohl im Nachhinein notgedrungen anschließen sollten.
Obwohl
solche Beschlüsse dann letztendlich in Berlin gar nicht gefasst wurden,
verbreitete Sascha Kimpel aus Berlin über seine ”Connections” und
Pressemitteilungen unverzüglich, dass am 2. Oktober in Berlin eine
bundesweite Demonstration stattfinde. All das wurde innerhalb weniger
Stunden über die Medien bundesweit lanciert und unverzüglich die Hetze
gegen die Leipziger Konferenz organisiert. Glücklicherweise waren
jedoch auch verschiedene Fernsehsender in Leipzig und transportierten
authentische Bilder, zum Beispiel vom rappelvollen Saal in Leipzig,
meinem Auftreten usw.
Ich bin unbedingt für die Einheit in
der Bewegung gegen Hartz IV! Ich plädiere für eine gemeinsame
gleichberechtigte Großdemonstration! Wir werden alles dafür tun, dass
diese zu Stande kommt – vor Ort und in Berlin! Ich freue mich sehr,
dass am 6.9. die Berliner Montagsdemonstration wieder gemeinsam
stattfinden wird!
Wer jetzt am lautesten zetert, die
Leipziger Konferenz und insbesondere die MLPD stelle sich gegen die
Einheit der Bewegung – das sind diejenigen, die am Montag, dem 30.
August mit Hilfe der Polizei verhinderten, dass eine gemeinsame
Demonstration in Berlin stattfand! (www.montags-gegen-2010.de)
6. War es nicht undemokratisch, alle Anwesenden gleichermaßen abstimmen zu lassen?
Auch
ich hätte ein anderes Abstimmungsverfahren besser gefunden. Aber es
durfte gar nicht vorgeschlagen werden! Wir hatten in unserer Delegation
vorher überlegt, dass
- sowohl zwischen gewählten Delegierten von Montagsdemonstration und Beobachtern unterschieden werden muss, ebenso wie
- zwischen kleineren und größeren Montagsdemonstrationen.
So
hatten wir zum Beispiel die Überlegung, dass Abstimmungen nach einem
bestimmten Schlüssel organisiert werden: etwa Delegationen aus
Montagsdemonstrationen bis zu 1000 Teilnehmern mit einer Stimme und ab
da pro 5000 Teilnehmer bei der jüngsten Demonstration jeweils eine
zusätzliche Stimme. Wir wollten auch vorschlagen, dass immer ein
Meinungsbild unter allen Teilnehmern hergestellt wird, aber
Entscheidungen über zukünftige Aktivitäten nach dem obengenannten
Schlüssel nur von gewählten Delegierten getroffen werden.
Diese
Vorschläge konnten jedoch überhaupt nicht vorgebracht werden, weil jede
Diskussion zum Verfahren und zu den Abstimmungen generell von Isa Kreft
und Winfried Helbig abgelehnt wurden. In der am Schluss verbleibenden
kurzen Zeit war es unmöglich, diesen Abstimmungsmodus noch zu
diskutieren und zu praktizieren. Bei künftigen Konferenzen sollte dies
diskutiert werden.
7. Hat die Leipziger Konferenz und die
Koordinierungsgruppe nach dem ganzen Durcheinander und der ganzen Hetze
überhaupt noch eine Chance?
Natürlich! Die Leipziger
Konferenz war etwas Neues - so etwas muss sich immer in heftigen
Geburtswehen gegen die alten eingefahrenen Gleise selbst ernannter
Sprecher, Führer und Hickhack-Konferenzen durchsetzen. Und das wird es
auch tun!
Die Koordinierungsgruppe hat ein klares Mandat bekommen,
kann sich auf dieser Grundlage konstituieren und entsprechend arbeiten.
Wer sich diesem Mandat nicht mehr anschließen möchte, hat natürlich
auch jederzeit das Recht, aus der Koordinierungsgruppe auszusteigen -
nicht aber das Recht, das Mandat zu verändern.
Der Druck auf die
Selbständigkeit der Montagsdemonstrationen von Seiten der
Bundesregierung, des Geheimdienstes (”Verfassungsschutz”), der
DGB-Spitze, von Menschen mit einem unersättlichen bürgerlichen Ehrgeiz
und mit zwanghaften Profilneurosen ist natürlich enorm. Es wird sich
zeigen, ob die Bewegung dem bereits gewachsen ist oder sich dem Druck
beugt bzw. (zeitweise) daran zerbricht.
Danach sieht es gegenwärtig aber trotz oder gerade wegen heftigster Auseinandersetzungen nicht aus!
Früher oder später ist die neue selbständige Massenbewegung in Deutschland, die Herausbildung neuer Formen organisierter Demokratie nicht mehr aufzuhalten. Dessen bin ich mir völlig sicher.
Monika Gärtner-Engel

